211-O-053 Neues von Pluto und seinen Monden

Beginn Mi., 07.07.2021, 19:30 - 21:30 Uhr
Kursgebühr 14,00 €
Dauer 1 x
Kursleitung Michael A. Rappenglück M.A.

Am 14. Juli 2015 passierte erstmalig eine interplanetare Raumsonde – New Horizons – den Zwergplaneten Pluto (134340) in einer Entfernung von 12.500 km. Beim Vorbeiflug wurde eine Vielzahl an faszinierenden, ungewöhnlichen Bildern des Zwergplaneten und seiner Monde Charon, Nix, Hydra, Kerberos und Styx. Die bis heute ausgewertete Messdaten und Fotos zeigen ein völlig neues Bild von Pluto (Durchmesser 2374 km), seinem größten Mond Charon und den vier kleinen Monden. Der Kern, der zum größten Teil aus Gestein besteht, nimmt 70 % von Plutos Durchmesser ein. Darüber liegt ein Mantel aus Wassereis. Unter der Oberfläche gibt es Stickstoffeis. Eine Übergangszone zwischen Kern und Mantel dürfte einen noch heute existierenden, sich über den ganzen Zwergplaneten hinziehenden Ozean beherbergen (150-200 km unter Plutos Oberfläche). Radioaktive Zerfallsprozesse sind die Ursache für die Entmischung der Materialien und die Herausbildung einer Schalenstruktur. Teile der Oberfläche sind frei von Einschlagkratern und daher möglicherweise weniger als 100 Millionen Jahre alt bzw. noch heute in aktiver Umgestaltung. Stickstoffeis fließt in Gletschern über die Oberfläche. Winde in der zwar dünnen aber deutlich vorhandenen Atmosphäre verändern die Bodenerscheinungen. Es gibt bis zu 3500 m hohe Berge aus Wassereis. Ebenso sind 3-5 km hohe Eisvulkane erkennbar. Zerklüftete Bergrücken und Rillen tauchen auf den Fotos auf. Gebiete mit einer sehr hohen Kraterdichte sind bis zu 4 Milliarden Jahre alt. Die sehr dünne Atmosphäre besteht zum größten Teil aus Stickstoff, aus etwas Kohlenmonoxid und Methan (0,5%). Die Temperatur liegt zwischen -240 °C und -218 °C. Dazu gibt es Hinweise auf eine Inversionswetterlage verursacht durch das atmosphärische Methan: D. h. die Temperatur in der oberen Atmosphäre kann bis zu -170 °C steigen. Es gibt aber Aerosole bis in 130 km Höhe und zwölf Nebelschichten, die vom Boden in die Höhe steigen. Die Atmosphäre von Pluto dürfte nach jüngsten Befunden auch periodisch dichter gewesen sein. Zudem gibt es Hinweise auf jahreszeitliche Zyklen. Analysen zeigen, dass der Zwergplanet in seiner Vergangenheit und bis zu 60° zu seiner Achse gekippt war. Dies ist verursacht worden durch einen immensen Einschlag eines anderen Himmelskörpers von mehr als 4 Milliarden Jahren. Dabei wurde ein riesiger Krater geschaffen, der noch heute als 1000 km große Senke erkennbar ist. In dieser haben sich riesige Mengen an Stickstoff-, Methan- und Kohlenstoffmonoxid Eis gesammelt, mehrere Kilometer dick. Die daraus resultierende Unwucht hat zum Kippen der Kruste gegenüber der Rotationsachse geführt, woraus wiederum Verwerfungen Grabenbrüche und ein Netzwerk von Bruchlinien resultierten. Auch Regionen der bisher noch nicht genau untersuchten dunklen Rückseite Plutos zeigen Exotisches: klingenförmige Methaneisberge, Risse, Hinweise auf einen Wasserozean unter der Oberfläche, Beleg für flüssiges Wasser. Ungewöhnliche Forschungsergebnisse gibt es auch für den Plutomond Charon. Was bedeuten diese Resultate für den Aufbau und die Entwicklung ähnlicher Zwergplaneten und Planetoiden im Kuiper-Gürtel? Warum ähnelt Pluto dem Neptunmond Triton? Was folgt aus alldem für die Entstehung und Entwicklung des solaren Planetensystems? Kann es sogar einfaches Leben auf Pluto geben?

Dieser Abend wird über das Programm Microsoft Teams durchgeführt. Dafür müssen Sie das Programm bzw. die App auf Ihr Gerät installieren. Wichtig ist, dass Ihr Lautsprecher und Ihr Mikrofon funktionieren. Eine funktionierende Kamera wäre wünschenswert. Wir melden uns bei Ihnen, sollte der Kurs zustande kommen und versorgen Sie mit Zugangsdaten und einer Anleitung. Sie müssen vorher nichts unternehmen.




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Termine

Datum
07.07.2021
Uhrzeit
19:30 - 21:30 Uhr
Ort
von zu Hause live im Internet teilnehmen