Bildung für nachhaltige Entwicklung an und mit Volkshochschulen

Bei der 74. Mitgliederversammlung des Bayerischen Volkshochschulverbandes am 1. Dezember 2021 wurde die Erlanger Grundsatzerklärung der bayerischen Volkshochschulen „Bildung für nachhaltige Entwicklung an und mit Volkshochschulen“ verabschiedet.

Nachhaltigkeit ist eines der wesentlichen Handlungsprinzipien, das über unsere Zukunft entscheidet und daher ist es in unserem Leitbild verankert.

Volkshochschulen verwirklichen einen ganzheitlichen Bildungsanspruch. Sie befähigen Menschen zukunftsgerichtet zu handeln, ermöglichen gesellschaftliche Teilhabe und setzen sich für ein demokratisches Miteinander ein. Daraus ergibt sich zwingend die Verantwortung der Volkshochschulen für die Verankerung des Themas „Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE)“ in ihrer Bildungsarbeit.

Mit dieser Grundsatzerklärung positionieren wir uns als kommunale Bildungspartner. Wir verpflichten uns der nachhaltigen Zukunftsgestaltung auf allen Ebenen. Der Verband als Zusammenschluss aller bayerischen Volkshochschulen, aber auch jede einzelne Einrichtung setzt sich eigenverantwortlich und unter Berücksichtigung der jeweiligen spezifischen Voraussetzungen mit dem Konzept und den Anforderungen von BNE auseinander. Unser gemeinsames Ziel ist die Weiterentwicklung von BNE in Bayern.


Verständnis

  • Ausgangssituation: Menschen nutzen die Globalisierung vielfältig zu ihrem Vorteil. Gleichzeitig existiert eine durch ökonomische, ökologische, technologische und demographische Entwicklungen ausgelöste globale Krise. Der Klimawandel, die Übernutzung der natürlich vorkommenden Ressourcen, das Artensterben und sich vergrößernde soziale Ungleichheiten fordern uns heraus zu handeln.
  • Bildung ist der Schlüssel, um auf diese enormen Anforderungen adäquat zu reagieren. BNE hat den Anspruch, Menschen in die Lage zu versetzen, bei heutigen und zukünftigen Entscheidungen abzuschätzen, wie sich diese auf künftige Generationen sowie auf das Leben in Bayern und in anderen Regionen der Welt auswirken können.
  • BNE betrifft alle Bereiche des lebenslangen Lernens und unseres breiten Programmspektrums. So finden die ökonomischen, ökologischen, ethischen, sozialen, politischen sowie kulturellen Dimensionen des Themas sowohl einzeln als auch in ihren Wechselwirkungen Eingang in unsere Bildungsangebote.
  • BNE fokussiert sich neben der Vermittlung von Wissen über nachhaltige Entwicklung vor allem auf die Vermittlung von Gestaltungskompetenz und gemeinsame Erfahrungen, Engagement und Solidarität. Unsere Bildungsangebote sollen die Menschen befähigen, ihr Wissen in interaktives, reflektiertes und eigenverantwortliches Handeln und gesellschaftliche Teilhabe umzusetzen.



Ziele
1. Wir, die bayerischen Volkshochschulen, leisten einen wesentlichen Beitrag, um die 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen (Agenda 2030) mit Leben zu füllen und in Bayern umzusetzen.

2. Umfassend nachhaltiges Denken, Planen und Handeln sind konstitutiver Bestandteil unserer Volkshochschularbeit: in der Programmplanung ebenso wie in der Organisationsentwicklung.

3. Als örtliche Volkshochschule sind wir eine zentrale Partnerin der Kommune in der Umsetzung kommunaler Nachhaltigkeitsstrategien in der bayerischen Bildungslandschaft.


Handlungsfelder und Maßnahmen:

  • Nachhaltigkeit ist handlungsleitendes Prinzip der Volkshochschulen. Es findet Niederschlag in unseren Leitbildern und wird in unserem Qualitätsmanagement verankert. Dies hat Auswirkungen auf unser tägliches Handeln in der Programmplanung, in der Organisationsentwicklung und im Bereich der Weiterqualifizierung von Personal und Lehrkräften.
  • Unsere Lern- und Innovationsbereitschaft setzen wir dafür ein, komplexe Sachverhalte und Anforderungen, widerstreitende Interessenlagen, persönliche wie auch gesellschaftliche Dilemmata durch geeignete, interdisziplinäre Bildungsangebote zu thematisieren und Handlungsoptionen aufzuzeigen.
  • BNE-Themen werden zielgruppenadäquat, niederschwellig, inklusiv und partizipativ umgesetzt. Sie bieten Anknüpfungspunkte zu unterschiedlichen Lebenswelten und Altersgruppen. Sie werden als handlungsleitende und alltagspraktische Bildungsangebote für alle Menschen geplant und angeboten.
  • Wir verpflichten uns, geeignete Lern- und Beteiligungsformate zu schaffen. In diesen werden Bürger*innen angeregt, verantwortungsvoll miteinander zu diskutieren, Lernergebnisse selbst zu erproben und nachhaltige Aktivitäten mitzugestalten.
  • Durch die Überprüfung und den Ausbau vorhandener und neuer kommunaler und regionaler Netzwerke und Kooperationen vereinen wir verschiedene Expertisen und erhöhen dadurch die Reichweite unserer Angebote.
  • Wir überzeugen mit unserem Bildungsangebot die Kommunen, ihre Volkshochschule als unverzichtbare Partner der Daseinsvorsorge in ihrem kommunalen Nachhaltigkeitsmanagement einzubinden und zu unterstützen. Volkshochschulen motivieren und bieten Bürger*innen die Möglichkeit, sich an Entscheidungsprozessen qualifiziert zu beteiligen und Verantwortung für eine nachhaltige Entwicklung zu übernehmen.
  • Die Geschäftsstelle des Verbandes unterstützt diese Aktivitäten auf vielfältige Weise: Sie entwickelt Konzepte, Medien und Materialien und stellt diese bereit. Sie unterstützt die fachpolitischen Aktivitäten der Volkshochschulen und vertritt diese öffentlichkeitswirksam. Sie verankert BNE als zentrales Thema in ihrem Weiterbildungsangebot. Sie nutzt und baut Förderstrukturen und -instrumente zugunsten von BNE aus und kommuniziert diese transparent.